Schneiden ist bei Tomaten schnell mit dem Ausgeizen verwechselt, meint aber etwas anderes – und viele greifen dabei aus Unsicherheit entweder gar nicht oder zu radikal zur Schere. Wir bringen bei uns in Illmitz jede Saison tausende Pflanzen kontrolliert in Form, deshalb wissen wir, wo die Grenze zwischen sinnvollem Rückschnitt und unnötigem Eingriff liegt.
Schneiden ist nicht gleich Ausgeizen
Ausgeizen bedeutet, die kleinen Seitentriebe in den Blattachseln zu entfernen, bevor sie zu eigenen Trieben werden – wie genau das geht, haben wir bereits in unserem Ausgeizen-Ratgeber ausführlich erklärt. In diesem Artikel geht es um die Schritte danach: gezielte Eingriffe an bereits gewachsenen Pflanzenteilen, mit denen du Ertrag und Gesundheit deiner Tomate aktiv steuerst.
Zweitriebige Tomatenkultur: mehr Ertrag mit der richtigen Technik
Eine Entscheidung, die eng mit dem Ausgeizen zusammenhängt, aber eigentlich schon eigene Formgebung ist: Wer nicht stur auf einen einzigen Haupttrieb setzt, sondern gezielt einen zweiten Trieb stehen lässt, betreibt das, was man als zweitriebige Kultur bezeichnet. Dabei bleibt zusätzlich zum Haupttrieb genau ein kräftiger Seitentrieb erhalten – meist der direkt unterhalb der ersten Blütentraube –, alle übrigen Geiztriebe werden wie gewohnt entfernt.
Der Vorteil: Zwei Triebe tragen mehr Blüten und damit potenziell mehr Früchte als einer allein, ohne dass die Pflanze völlig unkontrolliert wuchert wie bei komplettem Verzicht aufs Ausgeizen. Der Nachteil: Beide Triebe teilen sich weiterhin dieselbe Wurzel- und Nährstoffversorgung, wodurch die einzelnen Früchte tendenziell etwas kleiner ausfallen als bei einzügiger Kultur.
Wir setzen die zweitriebige Kultur bei uns in Illmitz vor allem bei kräftig wachsenden, ertragsstarken Sorten wie unserer San Marzano ein – bei kompakteren Balkontomaten lohnt sich der Aufwand meist nicht. Wichtig dabei: Der zweite Trieb sollte früh und eindeutig festgelegt werden, sonst verliert man schnell den Überblick, welcher Seitentrieb bleiben soll und welcher weg muss.
Warum unteres Laub entfernt werden sollte
Die untersten Blätter, die dem Boden am nächsten sind, entfernen wir bei unseren Pflanzen im Laufe der Saison gezielt. Sie tragen kaum noch zur Photosynthese bei, sobald die Pflanze höher gewachsen ist, erhöhen aber das Risiko für Pilzkrankheiten wie die Braunfäule, weil sie oft mit feuchter Erde in Kontakt kommen. Als Faustregel entfernen wir alle Blätter unterhalb der ersten reifenden Fruchttraube.
Die Haupttriebspitze kappen – nur zum richtigen Zeitpunkt
Etwa 4 bis 6 Wochen vor dem erwarteten Saisonende, meist im August, kappen wir bei hochwachsenden Stabtomaten die Spitze des Haupttriebs. Das stoppt das weitere Höhenwachstum und lenkt die letzte Energie der Pflanze gezielt in die Reifung der bereits vorhandenen Früchte, statt in neue Blüten, die ohnehin nicht mehr rechtzeitig reif würden.
Kranke oder beschädigte Teile sofort entfernen
Zeigt ein Blatt oder Trieb Anzeichen einer Krankheit, etwa die typischen Flecken der Braunfäule, schneiden wir ihn umgehend heraus – auch wenn er noch grün und gesund aussehen mag. Das gibt der restlichen Pflanze die beste Chance, verschont zu bleiben. Mehr zu den häufigsten Krankheitsbildern findest du in unserem Ratgeber zu Tomatenkrankheiten.
Das richtige Werkzeug
Verwende für jeden Schnitt eine saubere, scharfe Schere oder ein Messer – stumpfe Klingen quetschen das Gewebe, statt sauber zu trennen, was Krankheitserregern leichter Eintritt verschafft. Bei Verdacht auf eine Pilzerkrankung desinfizieren wir das Werkzeug zwischen den Pflanzen, damit sich nichts unbemerkt weiterverbreitet.
Eine kräftige Pflanze verzeiht mehr
Wie beim Ausgeizen gilt auch hier: Eine von Anfang an kräftige, gesunde Pflanze steckt einen Rückschnitt deutlich leichter weg als eine ohnehin schon geschwächte. Unsere Tomatenjungpflanzen kommen bereits robust und gut entwickelt bei dir an – die beste Ausgangslage für alle Schnittmaßnahmen, die im Laufe der Saison noch anstehen.
